Perspektiven Alpenrheintal
Das Alpenrheintal ist ein idealer Untersuchungsraum für ein interdisziplinäres, wissenschaftlich anspruchsvolles, anwendungsorientiertes und regional veranker tes Forschungsprojekt. Daher haben im Mai 2004 die Hochschule Liechtenstein in Vaduz, die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL in Birmensdorf und die Universität Innsbruck eine Kooperationsvereinbarung geschlossen, um im Alpenrheintal ein derartiges Forschungsprojekt durchzuführen.
Hier lassen sich auf engem Raum zahlreiche Veränderungen in Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt untersuchen, die für viele Regionen Europas typisch sind. Aufgrund seiner speziellen Lage mit drei Anrainerstaaten sowie der veränderten und sich weiter verändernden Bedeutung nationalstaatlicher Grenzen wird das Alpenrheintal zum „Forschungslabor“, in dem die konkreten Auswirkungen von Globalisierung und Europäisierung in Raum und Zeit untersucht werden können.
Besonders sichtbar wird die aktuelle räumliche Entwicklung im Alpenrheintal am ungebremsten Wachstum der Siedlungsflächen und an der Zersiedelung mit verschiedenen ökologischen, ökonomischen sowie sozialen Folgeproblemen. Um das Alpenrheintal als attraktiven Lebens- und Wirtschaftsraum zu erhalten, muss die Qualität von Landschaften, Standorten, Städten und Gemeinden verbessert werden. Eine grenzüberschreitend koordinierte, den Boden schonende und flächeneffiziente Siedlungsentwicklung wird so zu einer wichtigen Voraussetzung für eine nachhaltige Entwicklung im Alpenrheintal.
Die beteiligten Institutionen haben in einer Vorstudie Ziele und Schwerpunkte des Forschungsprojekts definiert. Es fehlt vor allem an grenzüberschreitenden Unter suchungen, die sich mit der möglichen Siedlungsentwicklung im Alpenrheintal auseinandersetzen. Dies zeigte eine Stärken-Schwächen-Analyse, die mit neun Expert( inn)en aus der Region durchgeführt wurde, um Schlüsselfaktoren und Handlungsfelder der zukünftigen Siedlungsentwicklung im Alpenrheintal zu bestimmen. Zudem sind verschiedene aktuelle Projekte im Alpenrheintal auf einzelne sektorale Probleme wie Hochwasserschutz und Revitalisierung des Rheins beschränkt oder national begrenzt.
Von fünf geplanten Teilprojekten sowie einem Synthese- und Kommunikationsprojekt konnten 2006 bereits drei Teilprojekte mit einer Laufzeit von rund drei Jahren gestartet werden. Dafür arbeiten drei Dokto rand(inn)en zu folgenden Themen:
- Strategien für die Reduzierung des Flächenverbrauchs und seiner Folgen (Hans Martin Neumann)
- Qualifizierung der Zwischenstadt? Akteurs-Netzwerke und die Grenzen der Planung (Stefan Kurath)
- Landschaftsstrukturen im Alpenrheintal – ihre Bedeutung und ihr Beitrag
zur Qualifizierung der Zwischenstadt (Catarina Proidl)
Eine Erweiterung des Forschungsprojekts ist geplant, Prof.Dr. Martin Coy von der Universität Innsbruck hat beim Interreg-IVProgramm Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein eine Projektskizze mit dem Thema Räumliche Orientierungen und regionale Identitäten im Alpenrheintal eingereicht. Zudem sind ein Synthese- und Kommunikationsprojekt sowie die Bildung eines Forums unter Leitung von Prof. Thomas Sieverts in Vorbereitung.