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Forschungskolloquium Architektur
Date
25.06.2010, Fr 12.00 - 13.00 Uhr, H1
Content
Resiliente Mobilität
Beitrag zum Forschungskolloquium am 25.06.2010

Beim Forschungskolloquium sollen Fragestellungen und erste Zwischenergebnisse aus dem Forschungsprojekt BAER – Bodensee-Alpenrhein Energieregion behandelt, einem IBH-Kooperationsprojekt der Hochschule Liechtenstein, der Universität St. Gallen, der HTWG Konstanz, der HSR Rapperswil und der ZHAW Winterthur. In dem Forschungsprojekt geht es um die Frage, unter welchen Voraussetzungen sich die Bodenseeregion vollständig mit erneuerbaren Energien versorgen kann. Die hier beschriebenen Zwischenergebnisse entstammen dem Teilprojekt „Resiliente Mobilität“.

Angesichts von Erderwärmung und Energieversorgungsrisiken bereitet sich weltweit eine wachsende Anzahl von Gemeinden und Regionen auf eine Zeit ohne Erdöl vor. Auch in der Wissenschaft wächst das Interesse an der Frage, unter welchen Voraussetzungen sich Gemeinden und Regionen vollständig mit erneuerbarer Energie selbst ver-sorgen können (Droege 2006; Droege 2008). Verschiedene Untersuchungen belegen, dass die Deckung des Strom- und Wärmebedarfs der Privathaushalte sowie der Industrie möglich ist (Everding, Kloos 2007; Genske 2009). Praktisch nicht untersucht wurde bislang, ob bzw. unter welchen Rahmenbedingungen dies für den Verkehrsenergiebedarf auf der lokalen bzw. regionalen Ebene möglich ist. Dies ist erstaunlich, da der Ver-kehrsenergiebedarf zur Zeit fast ausschließlich, nämlich zu 94%, aus fossilen Quellen gedeckt wird (International Energy Agency 2007).

Allgemein, aber insbesondere auch für den Verkehrsbereich gilt, dass die Raumstruktur, der Energieverbrauch und das Erzeugungspotenzial für erneuerbare Energie in einem engen Zusammenhang stehen. Städte, Gemeinden und Regionen sind sowohl Energiesenken als auch Energiequellen: Seit längerem ist bekannt, dass der Verkehrsenergiebedarf pro Kopf und Jahr maßgeblich von der Siedlungsstruktur beeinflusst wird (Newman, Kenworthy 1989, 1999). Auch das Erzeugungspotenzial erneuerbarer Energien variiert nach Siedlungsstruktur und Landschaftsraum (Genske 2009). Energieautonomie (Scheer 2005) stellt also eine neue Herausforderung für die Raumentwicklung dar.

Ein kritischer Faktor ist der Flächenbedarf erneuerbarer Energiequellen. Dieser steht potenziell im Konflikt mit dem von allen Bodenseeanrainerstaaten verfolgten Ziele einer Begrenzung der Flächeninanspruchnahme und des Erhalts der Biodiversität. Zudem konkurriert in einer energieautonomen Region die Energiepartei Verkehr mit den Energieparteien Privathaushalte, Gewerbe / Handel / Dienstleistungen und Industrie um die zur Verfügung stehenden Flächen.

Für die Reduzierung des Flächenbedarfs der erneuerbaren Energieerzeugung gibt es sowohl angebotsseitig (Energieerzeugung im Siedlungszusammenhang; Nutzung des flächeneffizienteren Solastroms statt flächenineffizienter Biofuels) als auch nachfrageseitig (Reduktion des Transportenergiebedarfs durch Verkehrsvermeidung, Verkehrsverlagerung und effizientere Fahrzeuge) verschiedenste Planungs- und Handlungsoptionen. Für die Bewältigung der Flächennutzungskonflikte zwischen den Energieparteien schlägt Genske 2009 das sog. Energieparteienprinzip vor, nachdem der Energiebedarf jeder Energiepartei vorrangig auf den von ihr in Anspruch genommen Flächen gedeckt werden soll.

Im Teilprojekt „Resiliente Mobilität“ wird daher der Frage nachgegangen, unter welchen Voraussetzungen der Verkehrsenergiebedarf in der Bodenseeregion mittels Energie aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden kann. Dabei wird vorrangig geprüft, ob und inwieweit die von der Energiepartei Verkehr in Anspruch genommenen Flächen hierfür geeignet sind. Vorgestellt wird der Stand der Arbeiten nach einem halben Jahr des insgesamt dreijährigen Projektes.


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