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Zur Sache

Der Wert der Freiheit

Gastkommentar von Pfarrer Andreas Fuchs über die Notwendigkeit der Orientierung an festen Werten.

Als ich zuletzt einen Zweitklässler aus der Primarschule fragte, was für ihn Freiheit bedeutet, antwortete er mir: «Freiheit bedeutet für mich, auf einem anderen Planeten sein zu dürfen und dort ganz alleine mit Ausserirdischen auf einem grossen Spielplatz Zeit verbringen zu dürfen.» Eine ehrliche, schöne und auch spezielle Antwort auf die Frage nach der Freiheit. In ihrer Originalität lässt sie uns auch schon erahnen, wie mannigfaltig die Antwortmöglichkeiten auf die Frage nach der Freiheit sind. Es gibt wohl so viele verschiedene Antworten auf die Frage, wie es Menschen gibt. Damit berührt man schon ein wichtiges Grundproblem des Wertes Freiheit. Sehr schnell kann der oft doch sehr subjektive Wert der Freiheit zur Einschränkung und auch Belastung für meinen Nächsten werden. Deshalb mahnt auch der Apostel Paulus in seinem Brief an die Korinther: «Seht zu, dass diese Eure Freiheit den Schwachen nicht zum Anstoss gereiche.» Will der wichtige Wert der Freiheit nicht zum Beliebigen oder zum rein Subjektiven degenieren, braucht er die Orientierung und auch die Objektivierung an festen Werten. Für mich, wie könnte das auch anders sein als Pfarrer, bildet der Glaube an Jesus Christus diese wichtige Orientierung. Als Seelsorger durfte und darf ich immer wieder erfahren, wie der Glaube an Jesus und seine Botschaft Menschen in vielen unterschiedlichen Situationen begleitet, stärkt, innerlich heilt und zu einer beglückenden Freiheit führt. Diese Erfahrung drückt sich auch in dem Wort Goethes aus, der schreibt: «Nicht das macht frei, dass wir nichts über uns anerkennen wollen, sondern eben, dass wir etwas verehren, das über uns ist. Denn indem wir es verehren, heben wir uns auf zu ihm.» Wahre Freiheit braucht Orientierung, braucht das Gesetz der Liebe, um nicht zu pervertieren.

Wahre Freiheit braucht Orientierung, braucht das Gesetz der Liebe, um nicht zu pervertieren.

Darum müssen wir uns in unserer Schöpfung immer mehr bemühen um eine Freiheit, die die Schöpfung und das Geschöpf achtet und ehrt. Dann wird diese Welt im wahrsten Sinne des Wortes freier und auch glücklicher. Bei dem eingangs erwähnten Dialog mit dem Kind fiel mir noch etwas Wichtiges auf: es war die sichtliche Freude des Kindes beim Gedanken an die Freiheit. Das freundliche Leuchten in den Augen des Kindes zeigte, dass das Denken an die Freiheit etwas Wunderbares ist. Möge der Wert der Freiheit immer Achtung finden in der Religion, in der Gesellschaft, ja vor allem im Leben eines jeden von uns. Hören wir auch immer wieder auf die Stimmen und Gedanken der Kinder, von ihnen können wir mehr lernen, als wir manchmal denken.

 

*Dieser Beitrag erschien ursprünglich in der November 2017 Ausgabe des Denkraum Magazins.