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Werden Grenzen noch gebraucht?

published 20.09.2018
Zugleich mit dem neuen Studienjahr startet auch die Reihe der «Campus Gespräche» an der Universität Liechtenstein in eine neue Runde. Die Campus Gespräche stehen aktuell unter dem Thema «Grenzen». Am ersten Abend ging es um die konstante Herausforderung durch das Setzen, Ausloten, Öffnen und Schliessen von Grenzen.

Referentin des Eröffnungsabends war eine der wichtigsten und bedeutendsten Denkerinnen der Schweiz, die Politikphilosophin Dr. Katja Gentinetta.


Definition von Grenzen

Gentinetta machte zunächst deutlich, dass das Setzen von Grenzen nicht nur den Ausschluss von Möglichkeiten bedeutet, sondern immer auch das Einschliessen einer bestimmten Auswahl. Diese eingeschlossenen Gruppen erfahren die Grenzen auch als Schutz gegenüber dem Aussenraum und können innerhalb der Grenzen Freiheiten erleben. Grenzen müssten immer wieder neu ausgehandelt werden und erfahren umso mehr Akzeptanz, je besser die davon Umschlossenen ihre Entscheide beachtet und umgesetzt sehen, erklärte die Referentin.


Notwendigkeit von Grenzen

Im Anschluss zeigte die Politikphilosophin die Problematik von Grenzen im Bereich der wirtschaftlichen Globalisierung, der Migrationspolitik und der Demokratie auf. Spannend waren ihre Ausführungen zu der Bedeutung von Staatsgrenzen insbesondere im Zusammenhang mit der Zuwanderung nach Europa. Sie wies darauf hin, dass im Völkerrecht zwar das Recht auf Auswanderung, aber keines auf Einwanderung verankert ist und stellte die gegensätzlichen Ansichten der Philosophen Michael Walzer (USA) und Joseph Carens (Canada) vor. Carens plädiert für offene Grenzen, während Walzer ein Ausschlussrecht und damit Grenzen für unabdingbar hält, um ein Zusammengehörigkeitsgefühl von Gesellschaften überhaupt zu ermöglichen.


Ziehen von Grenzen

Die Schwierigkeit, den richtigen Ort für das Ziehen von Grenzen zu finden, illustrierte Gentinetta am Beispiel der Toleranz gegenüber Zuwanderern. Sie verortete die Grenze der Toleranz am Schnittpunkt zwischen einer vernünftigen und einer dogmatischen umfassenden Lehre, die beide den zugrundeliegenden politischen Grundkonsens zu Verfassung und Gesetzen umkreisen.
In der anschliessenden Diskussionsrunde wurde über die Notwendigkeit von Grenzziehung durch globale Standards im Bereich der Wirtschaft, Bildung und des Datenschutzes gesprochen, bevor der Abend bei einem Apéro mit angeregten Gesprächen ausklang.