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Convenience versus Privacy

Der diesjährige Datenschutztag widmete sich dem Thema „Maschinen statt Gefühle – wer trifft die besseren Entscheidungen“. Neben den Vorträgen bot auch die anschliessende Podiumsdiskussion viel Gesprächsstoff für die Besucher.

Bereits in ihrer Begrüssung zeigten Thomas Zwiefelhofer, Regierungschef-Stellvertreter, Philipp Mittelberger, Datenschutzbeauftragter des Landes, und Bernd Schenk, stellvertretender Leiter des Instituts für Wirtschaftsinformatik der Universität, das Spannungsverhältnis zwischen den unbestrittenen Vorteilen der Nutzung von digitalen Assistenten, wie mehr Komfort, Effizienz oder Sicherheit, und dem schmalen Grat zum Verlust der Entscheidungsautonomie des Menschen auf.

Intuition und Logik

Zwiefelhofer stellte der Sachebene das Bauchgefühl, dem reinen Faktenwissen die Intuition gegenüber und verwies auf die Auswirkungen der fortschreitenden Digitalisierung auf Arbeit, Freizeit, Verkehr, Recht, Ordnung und auch auf die Gesetze. Bernd Schenk betonte die Vernetzung von Unternehmen und Maschinen untereinander und erklärte am Beispiel des selbstfahrenden Autos neu auftretende Probleme im ethischen Bereich: Bei einem unausweichlichen Unfall trifft heute noch den Fahrer die spontane Entscheidung, wie er den Schaden zu minimieren versucht. Bei selbstfahrenden Systemen müssen derartige Entscheidungen bereits vorab getroffen und entsprechend programmiert werden. Sollte also zukünftig etwa immer der Passagier oder der Passant geschützt werden?

Gläserner Bürger

Daniel Risch vom IKT Forum Liechtenstein zeigte anhand einer kleinen Zeitreise die Folgen der digitalen Revolution auf. Der einfachere Zugang zu Informationen und Dienstleistungen unterstütze einerseits Behinderte und alte Menschen bei der Entscheidungsfindung, führe aber auch zu einer steigenden Abhängigkeit vom digitalen Assistenten und einem stark veränderten Kommunikationsverhalten. Er verwies auch auf die Gefahr des gläsernen Bürgers, da sich digitale Spuren bearbeiten und vor allem analysieren lassen.

Neuronale Netzwerke

Peter Heinzmann, Professor für Computernetzwerke und Informationssicherheit an der Hochschule Rapperswil (HSR), ging in seinem Referat vor allem der Frage nach „Was ist Intelligenz?“. In einer per Smartphone durchgeführten Abstimmung unter den Tagungsteilnehmern war man sich einig, darunter die Fähigkeit abstrakt und vernünftig zu denken, zu verstehen sowie die Möglichkeit zu lernen. Heinzmann zeigte anhand von Beispielen auf, wie heutige Computer und Roboter „denken“ und machte deutlich, wie die exponentiell wachsende Datenmenge zu einem Paradigmenwechsel zu neuronalen Netzwerken führt. Spannend war, dass jeweils mehr als ein Drittel der Teilnehmer in einer weiteren Umfrage der Meinung sind, dass „intelligente, digitale Assistenten in 10 bzw. 20 Jahren die menschliche Intelligenz übertreffen werden“.

Werteschutz statt Datenschutz?

Abgerundet wurde die Veranstaltung mit einem Podium mit Philipp Gerber, IT Crowd Club Liechtenstein, Peter Heinzmann und Daniel Risch sowie Philipp Mittelberger, Bernd Schenk und Thomas Zwiefelhofer. Dabei wurde vor allem die Frage von Ethik und Moral erörtert. Bernd Schenk betonte die Notwendigkeit ethische Werte in Maschinen einzubetten und so den gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Kontext jenseits einer simplen Logik zu erstellen. Soll der Wissenschaftler alles dürfen, was er kann, fragte Zwiefelhofer – geht es nicht vielmehr um den Erhalt universeller Werte? – und  stellte für die Zukunft einen Werteschutztag statt eines Datenschutztags in Aussicht. Für Gesprächsstoff beim abschliessenden Apéro war mehr als gesorgt.

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