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GREEN SUMMIT 2018

Neue Impulse zur Nachhaltigkeit -- Medienmitteilung der Universität Liechtenstein vom 14. Juni 2018

Vaduz – Was bedeutet Nachhaltigkeit und welche neuen Ansätze werden verfolgt, um die Gesellschaft nachhaltiger zu gestalten? Dieser Frage gingen Wissenschaftler und Experten beim diesjährigen „Green Summit“ am 12. Juni 2018 an der Universität Liechtenstein nach.

In einer Vielzahl von Vorträgen am Vormittag mit dem Blickwinkel auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft widmeten sich regionale und internationale Experten dem Thema Nachhaltigkeit.
Am Nachmittag standen drei fachspezifische Angebote im Vordergrund. Neben dem IT-Workshop zu „Sustainably Digital“, wurden ausserdem praxisrelevante Forschungsarbeiten aus dem Bereich Sustainable Finance vorgestellt. Das Institut für Architektur und Raumentwicklung lud obendrein zu einem Spaziergang durch die urbane Landschaft Liechtensteins unter dem Motto „Liechtenstein sehen, riechen, fühlen“ ein.

 

Von der Nutzung von «alten» Kraftwerken zur Nachhaltigkeit der Ernährung

Regierungschef Adrian Hasler unterstrich in der Eröffnungsvideobotschaft das deutliche Bekenntnis zu einer nachhaltigen Entwicklung des Fürstentums. Er erwähnte konkrete Massnahmen, wie zum Beispiel den Waterfootprint Liechtenstein – Drink & Donate. Gleich im ersten Vortrag nahm Benno Kahrens von der Nachhaltigkeitsberatung «akzente» aus München eine umfangreiche Bewertung des Themas aus vier Blinkwinkeln vor: Finanzmarkt, Gütermarkt, Politik sowie Ressourcen. Aufgrund der unterschiedlichen Definition und dem Verständnis von Nachhaltigkeit, kann nicht-nachhaltiges Verhalten nur ungenügend politisch sanktioniert werden. Erschreckenderweise legen 92% der weltweit börsennotierten Unternehmen keinen Rechenschaftsbericht vor.

Im folgenden Vortrag zeigte Dr. Elmar Friedrich, CEO von Epplication, die Vielseitigkeit des Tagungsangebots mit seinem Vortrag zu «Powering the future – Neue Business-Modelle für alte Kraftwerke». Er zeigte, wie alte Wasserkraftwerke heute dazu genutzt werden, Daten- und Rechenzentren zu kühlen. Gleichzeitig nutzen sie die vorhandene, sichere IT-Infrastruktur sowie Versorgungssicherheit. Ausserdem wiess Dr. Friedrich darauf hin, dass Blockchain-Technologien einen enormen, stetig steigenden Stromverbrauch besitzen, welcher einer gesetzlichen Regulierung bedürfte. Passend vor dem Mittagessen fragte Dr. Monika Wilhelm, Geschäftsführerin der Dr. Rainer Wild Stiftung, «was Nachhaltigkeit für die Ernährung bedeutet». Sie plädierte für die Reduzierung des Fleischkonsums, welcher nicht nur zu einer gesünderen Lebensweise, sondern auch zu weniger landwirtschaftlich benötigter Nutzfläche und weniger Treibhausgasemissionen führen würde. Prof. Dr. Zimmermann vom Institut für Entrepreneurship der Universität untersuchte die Frage, ob Unternehmen, die ihre gesellschaftliche Verantwortung stärker wahrnehmen als andere, einen ökonomischen Nutzen erzielen. Er kam zum Ergebnis, dass eine verantwortungsbewusste Geschäftsstrategie die Wettbewerbskraft eines Unternehmens stärkt.

 

Deckungsgleichheit von Heimat und Landschaft

Dr. Matthias Stremlow vom Bundesamt für Umwelt sprach als Hauptredner über die Wege zu einer Landschaftskultur der Nachhaltigkeit. Er führte aus, dass aktuell die Landschaftsqualität und die Vielfalt der Landschaften abnehmen. Die Landschaft ist jedoch enorm wichtig, um das menschliche Wohlbefinden, wie Stressreduzierung und der Verbesserung der allgemeinen Gesundheit, zu fördern. Aktuell führen die Regulierung der Gewässer und die globalisierte Gesellschaft zu „globalisierten Landschaften“. Dr. Stremlow hob hervor, wie „Heimat“ und „Landschaft“ zusammenhängen. Es wurde deutlich, dass die Landschaft „nicht nur ein Nebenprodukt ihrer Nutzung ist“, sondern die zentralen Landschaftsleistungen „Erholung und Gesundheit“, „Identifikation und Vertrautheit (Heimat)“, „Ästhetischer Genuss“ sowie „Standortattraktivität“ von der Gesellschaft nachgefragt werden. Dr. Stremlow unterstrich die Bedeutung der Politik, die Landschaftsgestaltung zu beeinflussen, um Landschaften unter Wahrung ihres Charakters weiterzuentwickeln.

 

Workshops am Mittag

Nach der Vergabe der Finance-Paper Awards, ausgelobt von der LIFE Klimastiftung Liechtenstein und der VP Bank AG, fanden am Nachmittag drei Workshops der Institute Finance, Wirtschaftsinformatik sowie Architektur und Raumentwicklung statt. Die Referenten im Finance Workshop diskutierten angeregt über Möglichkeiten einer nachhaltigen Geldanlage, der Wichtigkeit von Green Bonds («Grüne Anleihen») und der möglichen Renditeeinbussen bei nachhaltigen Investments. Im Workshop «Sustainably Digital» ging es um Möglichkeiten, wie die Digitalisierung und moderne IT-Infrastrukturen Unternehmen und die Gesellschaft generell nachhaltiger handeln lassen. Einen anderen Ansatz wählte Prof. Dr. Anne Brandl, Professorin für Raumentwicklung, die die Teilnehmenden des dritten Workshops auf eine spannende Reise durch die Landschaft Liechtensteins führte und somit die Vorträge am Vormittag, insbesondere die Hauptrede, gelungen abrundete.