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Wiederverwendbare Holzbausteine. Konstruktionsprinzipien seit der Bauindustrialisierung

Über ein Drittel des globalen Energieverbrauchs und nahezu 40% der CO2-Emissionen sind durch den Bau und die Nutzung von Gebäuden verursacht. In der Region Liechtenstein-Schweiz-Österreich entfallen rund 80% des Abfallaufkommens auf die Bauindustrie; in Liechtenstein selbst liegt dieser Anteil bei über 90%. Vor diesem Hintergrund sind Strategien zur Reduktion von Emissionen und Bauabfällen durch geschlossene Materialkreisläufe und Bauteilwiederverwendung für eine zukunftsfähige Bauindustrie von zentraler Bedeutung. Holz als natürlicher und regenerativer Baustoff weist hierbei besonders hohes Potenzial zur CO2-Bindung und -Substitution auf. Neben etablierten und breit erforschten Holzbauweisen wie Fachwerk-, Tafel- und Blockbau eröffnet insbesondere die Entwicklung kleiner, modularer Holzelementbausteine neue Perspektiven für ein materialgerechtes, rückbaubares, wiederverwendbares und ressourcenschonendes Bauen. Obwohl Modulbausteinsysteme in Massivholz-, Faser- oder Hybridvarianten bereits in zahlreichen Anwendungen und Patenten - insbesondere seit der Nachkriegszeit - nachweisbar sind und im Zuge der aktuellen Nachhaltigkeitsdebatte eine Wiederentdeckung erfahren, wurden sie trotz ihrer offenkundigen Vorzüge bislang weder systematisch untersucht noch konnten sie sich in der Bauwirtschaft etablieren. Das Projekt "Wiederverwendbare Holzbausteine" analysiert erstmals die vielfältigen Konstruktionsansätze in einer vergleichenden Gesamtschau und bewertet sie vor dem Hintergrund ihrer wirtschaftlichen Bedingungen, Herstellungsprozesse und verfügbaren Materialien. Ziel ist es, das Potenzial von Holzbausteinen für die spezifischen Gegebenheiten der Region Liechtenstein - insbesondere im Hinblick auf verfügbare Ausgangsprodukte, Verarbeitungsmethoden und Unternehmensstrukturen - aufzuzeigen und damit eine fundierte Grundlage für weiterführende Anschlussprojekte zu schaffen.

Bezug zu Liechtenstein

Diese Arbeit stärkt den zentralen Forschungsschwerpunkt der Fachgruppe Bauerbe & Upcycling und adressiert die Kernthemen der Universität Liechtenstein mit Innovation, Nachhaltigkeit und Verantwortung im Bauwesen und in der Architektur. Der Aufbau eines Forschungsfeldes zur Förderung einer zirkulären Bauwirtschaft trägt zur strategischen Stossrichtung des Landes Liechtenstein bei. Mit der Vermittlungsplattform ZirkuLie der Stiftung Lebenswertes Liechtenstein - deren Hauptziele die Förderung einer zirkulären Wirtschaft im Land darstellt - besteht ein intensiver Austausch. Der Fokus auf das regionale Baumaterial Holz eröffnet darüber hinaus konkrete Perspektiven für weiterführende Anschlussprojekte mit lokalen Holzbauunternehmen sowie die Entwicklung und Anwendung innovativer Bausysteme aus der Region und für die Region. Das Projektvorhaben ist in ein breit gefächertes Kompetenz- und Forschungsfeld an der Universität Liechtenstein eingebettet. Insbesondere die Arbeit der Doktorandin Gabriela Dimitrova (Fachgruppe Bauerbe und Upcycling) bietet einen ersten historischen und theoretischen Zugang zum Thema Modulbausteine, mit einem Fokus auf wiederverwendbaren Ziegeln und der Fallstudie zur Produktion von Novadom [Dimitrova & Stockhammer 2026, im Erscheinen]. Im Hinblick auf das Baupotenzial von Laubholz sowie von Holz geringerer Qualität ist zudem auf die Arbeit der Doktorandin Livia Herle (Fachgruppe Handwerk und Struktur) hinzuweisen. Diese untersucht Wege zur maximalen Nutzung von Holz, bevor es energetisch verwertet wird, und stützt sich dabei auf eine Analyse regional verfügbarer Holzressourcen. Im Zentrum stehen insbesondere der Einsatz kurzer, vorzugsweise massiver Holzelemente sowie konstruktive Systeme, die sowohl eine einfache Montage als auch eine effiziente Demontage ermöglichen.