Zwischen Innen und Aussen. Architekt Christian Weyell zu Gast an der Liechtenstein School of Architecture
Zwischen Innen und Aussen. Architekt Christian Weyell zu Gast an der Liechtenstein School of Architecture
Christian Weyell vom Basler Architekturbüro Weyell Zipse hielt am 7. Mai 2026 an der Liechtenstein School of Architecture einen Werkvortrag zum Projekt «Schulhaus Guggach» in Zürich, das 2024 unter anderem mit dem Goldenen Hasen der Zeitschrift Hochparterre ausgezeichnet wurde.
Anhand von Plänen, Fotografien und filmischen Arbeiten des Filmemachers Nikola Miloradovic vermittelte Christian Weyell einen Einblick in Entwurf, Atmosphäre und Nutzung des Gebäudes. Im Zentrum des Vortrags stand dabei die Frage, wie Architektur auf Klima, Nutzung und Gemeinschaft reagieren kann und wie Räume entstehen, die sich im Alltag laufend verändern und aneignen lassen.
Das Schulhaus versteht sich nicht als abgeschlossener Baukörper, sondern als durchlässige Struktur zwischen Strassenraum und Quartierpark. «Die städtebauliche Idee war geprägt von Porosität, welche wir auch in der Architektur fortführen wollten», erklärte Weyell während des Vortrags. Besonders das zentrale Foyer bildet eine räumliche Zwischenzone, die weder eindeutig Innenraum noch Aussenraum ist. Je nach Jahreszeit und Nutzung kann der Raum geöffnet oder geschlossen werden. «Das Haus kann wie eine Art Segelboot betrachtet werden, welches den Wetterbedingungen angepasst werden kann.»
Mehrfach sprach Christian Weyell über die Bedeutung dieser sogenannten Zwischenklimazone. «Die gesetzliche Unterscheidung zwischen Aussen- und Innenräumen ist sehr klar definiert. Wenn man sich irgendwo dazwischen bewegt, sind alle zuerst einmal verwirrt», so Weyell. Gleichzeitig habe genau dieser Bereich neue räumliche Möglichkeiten eröffnet: «Die Zwischenklimazone hat uns ein komplett neues Spielfeld eröffnet.»
Auch die Aneignung der Räume durch die Nutzerinnen und Nutzer spielte im Vortrag eine zentrale Rolle. Die Architektur sei so gedacht, dass sie aktiv mitgetragen werden müsse. «Die Nutzer sind gezwungen, sich mit dem Raumklima auseinanderzusetzen. Man muss sich darum kümmern, dass das Haus funktioniert.» Besonders eindrücklich sei zu beobachten, wie selbstverständlich die Kinder die Räume nutzen und bespielen: «Es ist schlussendlich schön zu sehen, wie der Raum die Energie der Kinder aufnimmt.»
Die grossen Schiebetore des Gebäudes wurden dabei zu einem wiederkehrenden Motiv des Vortrags. «Es macht einfach glücklich, die grossen Tore aufzuschieben», sagte Weyell. Jene Räume, die ursprünglich kaum definiert waren, entwickelten sich im Alltag zu den wichtigsten Orten des Projekts: «Der Raum, der eigentlich nie bestellt war, wurde zum wichtigsten Teil des Projektes.»
Fotos: Antonia Trager