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Wie abhängig ist die AHV vom weiteren Wachstum?

Wie abhängig ist die AHV vom weiteren Wachstum?

Erstveröffentlichung im Wirtschaftregional vom 4.9.2026
Symbolbild zu Kommentar AHV, Geldscheine mit Schriftzug AHV

Liechtenstein hat einen erfolgreichen Arbeitsmarkt. Mehr als die Hälfte der Beschäftigten wohnt im Ausland. Diese Offenheit ist eine wesentliche Grundlage unseres Wohlstands. Für die Altersvorsorge schafft sie jedoch eine Besonderheit, über die wir stärker nachdenken sollten.

Die Zahlen sind eindrucksvoll: Ende 1983 arbeiteten rund 15’200 Menschen in Liechtenstein, Ende 2025 waren es rund 43’300 – ein Plus von etwa 185 Prozent. 2024 waren rund 57 Prozent aller Beschäftigten Pendler. Nach Jahrzehnten starken Wachstums flacht die Dynamik ab: 2025 sank die Beschäftigtenzahl erstmals seit dem Pandemiejahr 2020 leicht. 

Wer in Liechtenstein arbeitet, zahlt in die AHV ein und erwirbt Rentenansprüche – unabhängig vom Wohnort. Der starke Anstieg der Pendler hat der AHV über Jahrzehnte zusätzliche Einnahmen gebracht. Mit Verzögerung folgen daraus aber auch wachsende Rentenzahlungen ins Ausland. Das ist nicht problematisch, sondern die logische Folge unseres Arbeitsmarktmodells. Es bedeutet jedoch, dass die Finanzierung der AHV stark von der künftigen Beschäftigungsentwicklung abhängt. Solange diese kräftig wächst, ist das komfortabel. Doch was geschieht, wenn das Wachstum schwächer wird oder ganz ausbleibt, während die Rentenzahlungen weiter steigen?

Deshalb lohnt sich ein Blick auf die aktuelle AHV-Reform. Geplant ist unter anderem eine einmalige staatliche Einlage von 100 Millionen Franken. Das verbessert die finanzielle Lage der AHV. Doch bei jedem staatlichen Franken für die Altersvorsorge sollte nicht nur gefragt werden, wie viel der Staat bereitstellt, sondern auch wofür. 

Staatliche Mittel könnten auch dazu verwendet werden, zusätzliche kapitalgedeckte Altersvorsorge für die Wohnbevölkerung aufzubauen: Vermögen, das langfristig am Kapitalmarkt arbeitet und dessen Finanzierung nicht unmittelbar von der künftigen Beschäftigungszahl ab hängt.

Die AHV würde dadurch nicht ersetzt, sondern um eine anders finanzierte Absicherung ergänzt. Gerade ein Land mit starken öffentlichen Finanzen sollte sich fragen, wie zusätzliche Mittel für die Altersvorsorge langfristig am wirkungsvollsten eingesetzt werden – insbesondere, wenn ein wachsender Teil der AHV Leistungen ins Ausland fliesst. 

Liechtensteins Erfolg beruht wesentlich auf einem offenen, grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt. Unsere Altersvorsorge sollte auch dann funktionieren, wenn der Arbeitsmarkt nicht mehr so stark wächst wie bisher.

Symbolbild zu Kommentar AHV, Geldscheine mit Schriftzug AHV