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Familienunternehmen: Wertvoller als gedacht

Familienunternehmen: Wertvoller als gedacht

Erstveröffentlichung im Wirtschaftregional vom 2.10.2026
Symbolbild Familienunternehmen

Immer mehr Unternehmerfamilien erhalten Angebote von Investoren. Viele denken über einen Verkauf oder eine Beteiligung nach – sei es wegen ungeklärter Nachfolge oder fehlendem Kapital für Wachstum. Doch oft mischt sich in diese Überlegungen eine stille Sorge: Gilt das Familienunternehmen als zu emotional geführt, zu wenig professionell? Unsere Forschung zeigt: Diese Sorge ist unbegründet. Doch die Wahrheit ist komplexer, als sie auf den ersten Blick erscheint. 

Unsere Analysen – hunderte europäische Unternehmensübernahmen und Experimente mit Private-Equity-Investoren – offenbaren ein klares Muster: Sobald Investoren ein Unternehmen als Familienbetrieb erkennen, steigt ihr Interesse deutlich. Warum? 

Der Status «Familienunternehmen» wirkt wie ein Gütesiegel. Er steht für gewachsene Kundenbeziehungen, loyale Mitarbeitende, guten Ruf und besondere Ressourcen. Gleichzeitig sehen Investoren darin ungenutzte Potenziale: Spielraum bei Margen, Kosten und Kapitalbindung. Die Attraktivität liegt also nicht nur im Bestehenden, sondern auch in den Möglichkeiten, die der Käufer ausschöpfen will. 

Das zeigt sich in Zahlen: Familienunternehmen erzielen im Schnitt höhere Verkaufspreise als vergleichbare Nicht-Familienunternehmen. Dabei unterscheiden sich die Käufer. Finanzinvestoren und ausländische Erwerber zahlen oft die höchsten Preise – sie sehen die grössten Chancen für Veränderungen. Heimische und strategische Käufer bieten meist weniger, bewahren dafür eher, was der Familie über Generationen wichtig war: Standort, Belegschaft, Kultur. Erfahrene Investoren wissen zudem, dass Übernahmen besser gelingen, wenn die Familie an Bord bleibt. Ihre Beziehungen und ihr Wissen machen den Betrieb oft erst wertvoll. 

Für Unternehmerfamilien bedeutet das: Verhandeln Sie selbstbewusst. Ihr Unternehmen ist begehrter, als Sie vielleicht denken, und sein Wert zeigt sich nicht nur in Zahlen. Ein Investor, der unaufgefordert anklopft, hat bereits eine Idee, wo er Potenziale heben und Synergien schaffen will. Wer diese Agenda versteht, verhandelt stärker. Klären Sie früh, was sich ändern darf und wo Grenzen liegen. Denn Investoren bringen immer ein «Umbauprogramm» mit. Das kann genau richtig sein – aber es sollte eine bewusste Entscheidung bleiben. Der Verkauf eines Familienunternehmens ist nie nur eine Frage des Preises, sondern immer auch eine der Werte.

Symbolbild Familienunternehmen