Zum Hauptinhalt wechseln

Tansania - Daressalam

Tansania - Daressalam

Alexander Walch

Erste Eindrücke in Tansania

Gruppe von Personen steht vor einem blauen Gebäude.

Ich darf mich derzeit, gefördert durch Erasmus+ Mittel, für ein Finanzbildungsprojekt in Tansania aufhalten. Die erste Projektwoche war zunächst davon bestimmt, sich in einem sehr ungewohnten Umfeld zurechtfinden zu müssen oder zu dürfen. Hier läuft doch einiges anders, als wir es kennen, schon angefangen damit, dass es praktisch keine Supermärkte gibt und, falls doch, keine Produktpreise ausgezeichnet sind. Sodass man nie weiss, ob man nun den Tagespreis oder einen Preis nach Freundlichkeit oder Ähnlichem berechnet bekommen wird. Nicht zuletzt wird auch meine Unterkunft im tansanischen Hinterland für manche ungewohnt aussehen. Handelt es sich doch tatsächlich um ein grosses Zelt unter einem mit geflochtenen Bananenblättern gedecktem Unterstand. Es war herrlich, so nah an der Natur zu schlafen, aber man hörte dann natürlich auch jeden Tag zur Morgendämmerung um 5 Uhr die Hähne krähen. Besonders beeindruckend ist darüber hinaus, sowohl in der Region Arusha als auch in Daressalam, der sehr chaotische Strassenverkehr, bei dem selbst achtspurige Kreuzungen ohne Ampel und scheinbar ohne Regeln auskommen müssen.

 

Tansania ist meiner Erfahrung nach ein ausgesprochen gastfreundliches Land mit herzlichen, zuvorkommenden und sehr hilfsbereiten Einwohnern. Häufig kommen die Einheimischen auf mich zu, um Hilfe anzubieten, ohne nach einer Bezahlung zu fragen oder aufdringlich zu wirken. Als ein sozialistisch-autokratisch regiertes Land lässt sich hier jedoch auch Armut in einem kaum zu ertragenden Ausmass beobachten, während immer mal wieder der unfassbare Reichtum einzelner, mit dem Regime besonders eng verbundener Personen ins Auge sticht. Ganz nach dem in der DDR geflügelten Wort: „Alle sind gleich, nur manche sind eben gleicher.“

 

Die ersten Tage verbrachte ich, wie bereits erwähnt, im Hinterland, in der Region Arusha, welche aufgrund der Nähe zu Kilimandscharo und Mount Meru doch eine eher prosperierende Gegend ist. In Sachen Finanzbildung und Kooperation mit lokalen Schulen bestand das Highlight dieser Woche dort aus einem Besuch der „Engilanget Pre and Primary School“. Diese Privatschule zählt zu den besten des Landes und wird non-profit von einem Einheimischen, einem Angehörigen des Volkes der Massai, geleitet. Sie verfügt über knapp 200 Schüler, die sich auf die Klassen 1 bis 6 der Primarschule aufteilen. Darüber hinaus sind eine Vorschule sowie eine Versorgung von Babys angeschlossen, in der teilweise auch verstossene Kinder eine Zuflucht finden. Das Besondere an dieser Schule, die übersetzt „Licht der Welt“ heisst, ist ihr inklusiver Charakter. So werden hier gezielt körperlich behinderte Schüler gebührenfrei aufgenommen. Schulleiter Boniface drückt den Hauptbeweggrund so aus: „Wir wissen, dass allen Menschen ihre Würde von Gott gegeben wurde. Daher möchten wir das Stigma und die Scham durchbrechen, die häufig mit der Geburt eines behinderten Kindes verbunden sind. Indem wir diesen Familien ein Licht sind, kommen wir unserer Bestimmung nach."

 

Mit dem Schulleiter der Engilanget-Schule bot sich nebst der Besichtigung die Gelegenheit, über die Bedeutung von Budgetverständnis, Sparen und Zinsen auch in Haushalten mit Kleinsteinkommen zu sprechen. Möglicherweise werden meine Partner und ich den Unterricht auf diese Schule ausweiten können und damit eine zweite Landesregion erschliessen. Auch konnte ich vor Ort meine beiden Patenkinder besuchen, deren Schulbesuch ich finanziell ermöglichen darf und die mich stolz ihren zum Teil sehr anhänglichen Freunden vorstellten. Wer weiss, wann wohl letztmals ein Europäer bei ihnen zu Gast war. Manche Klassen sangen mir ein Willkommenslied, andere salutierten gar; es war ein insgesamt ungewohntes, aber herzliches Spektakel! Da wir spontan, unangemeldet zu dieser Schule fuhren, nahm ich alle Eindrücke als authentisch und nicht als einstudiert wahr.

 

Ein Vater liess es sich nicht nehmen, mich kurzfristig für einen Wochenendtrip auf Tansanias dritthöchsten Berg, den 4566 m hohen Mount Meru, einzuladen, da er davon wusste, dass einer der Schwerpunkte in meinem Leben das Alpinbergsteigen ist. Der Meru war zwar nicht schwierig zu besteigen – ein Besuch sei jedem ans Herz gelegt und wird normalerweise mithilfe von Berghütten, Trägern und Köchen recht komfortabel gestaltet –, aber er bot atemberaubende Ausblicke. In unserem Fall waren wir alleine als Selbstversorger unterwegs und unternahmen den Ausflug mit seinen 3000 Höhenmetern Unterschied in zwei statt vier Tagen. Besonders in Erinnerung bleiben mir der üppige Regenwald, die vielen fremdartigen Vögel sowie die Tierwelt mit Zebras, Giraffen, Warzenschweinen und Büffeln. Sehr schön war es auch, wie die Sonne langsam hinter dem gegenüberliegenden Kilimandscharo, dem Dach Afrikas, aufging. In Gipfelnähe begegnete uns ausserdem eine Klippspringer-Antilope, während wir am Vortag auf der Anfahrt bereits die seltene Rotducker-Antilope gesehen hatten, sowie eine Ellipsen-Wasserbock-Antilope, die ich im dichten Gebüsch auch fotografieren konnte. Immer mal wieder liess sich auch der eine oder andere Affe blicken, wobei man bei den meisten Arten auf der Hut bleiben muss, da sie als "diebisch" und immer hungrig gelten.

 

Mittlerweile bin ich am Indischen Ozean in Daressalam angekommen, wo neben Treffen mit meinen Projektpartnern auch die Workshops an unseren bestehenden Partnerschulen anstehen. 

Gruppe von Personen steht vor einem blauen Gebäude.

Impressionen