AUSTRALIEN- ADELAIDE
AUSTRALIEN- ADELAIDE
Anerkennung und Freundlichkeit in Australien
Etwas, das mich von Anfang an fasziniert hat, ist das sogenannte «Acknowledgement of Country». Noch bevor ich in Australien angekommen war, hatten wir bereits ein Zoom-Meeting mit der University of Adelaide, das uns auf den bevorstehenden Austausch vorbereiten sollte. Schon damals begannen die Referierenden ihre Beiträge jeweils mit folgendem Satz:
Acknowledgement of Country
Wir anerkennen mit Respekt die Kaurna, Boandik und Barngarla First Nations sowie ihre Ältesten der Vergangenheit und Gegenwart, die traditionellen Besitzerinnen und Besitzer des Landes sind, auf dem sich unsere Standorte in ganz South Australia befinden.
Wir anerkennen auch die anderen First Nations der Gebiete in ganz Australien, mit denen wir geschäftliche Beziehungen pflegen, sowie ihre Ältesten, Vorfahren, Kulturen und ihr Erbe.
Von da an begegnet einem diese oder eine ähnliche Formulierung sehr häufig – sei es vor einer Vorlesung, vor Sportveranstaltungen wie Basketball oder Footy, in einem Museum oder in Geschäften. Obwohl die «Acknowledgement of Country» nicht obligatorisch ist, ist sie Teil der Versöhnungsstrategie. Als die Siedlerinnen und Siedler sowie die Sträflinge in Australien ankamen, fügten sie den Aboriginal People grosses Leid zu. Sie enteigneten und vertrieben die indigene Bevölkerung. Diese Versöhnung ist daher ein gesellschaftlicher Prozess, bei dem nicht-indigene Australierinnen und Australier die Aboriginal People, ihre Kultur und ihre Traditionen aktiv anerkennen und respektieren. Diese Initiative ist jedoch noch relativ jung und wurde erst in den 1990er-Jahren etabliert. Wie aus der oben erwähnten Anerkennung hervorgeht, gehören Adelaide und die umliegende Region zum Gebiet der Kaurna, Boandik und Barngarla First Nations. Dies sind jedoch nur die regionalen Nationen. In ganz Australien gibt es je nach Quelle ungefähr 200–700 verschiedene Nationen. Sie unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Kultur, ihrer Gesetze, ihrer Geschichte, ihrer Beziehung zu ihrem Land und ihrer Sprache. Leider sind traditionelle Sprachen und kulturelles Wissen in einigen Fällen stark zurückgegangen.
Das Gegenstück zum «Acknowledgement of Country» ist das sogenannte «Welcome to Country». Diese Geste darf nur von einer Person durchgeführt werden, die zu den Traditional Owners gehört, von einem Elder oder von einer anderen entsprechend anerkannten Person. Auch die internationalen Studierenden der University of Adelaide durften ein solches «Welcome to Country» erleben. Es wurde von einem Traditional Custodian, also einem Mitglied der Kaurna Nation, durchgeführt. Zunächst sprach er in seiner traditionellen Sprache zu uns und gab anschliessend eine Übersetzung auf Englisch. Damit hiess er uns symbolisch im Country seiner Nation willkommen. Es war nicht einfach eine Show. Die Idee dahinter ist, eine Verbindung zwischen den Menschen und dem Country herzustellen. In seiner Ansprache sagte er, dass die Nationen schon früh erkannt hätten, dass Freundschaften für das Überleben entscheidend sind.
Sowohl das «Acknowledgement of Country» als auch das «Welcome to Country» werden immer wieder kritisch hinterfragt. Es stellt sich die Frage, ob sie eine echte Anerkennung darstellen oder ob es sich manchmal lediglich um eine verspätete oder symbolische Geste handelt, die zwar gut aussieht, aber keine tatsächlichen Veränderungen bewirkt. Bis heute besteht ein erheblicher Unterschied zwischen Aboriginal und nicht-indigenen Australierinnen und Australiern. Besonders grosse Unterschiede zeigen sich im Gesundheitswesen, in der Bildung, bei der Beschäftigung, beim Wohnen und im Justizsystem. Zwar werden inzwischen Anstrengungen unternommen, diese Kluft zu verkleinern und letztlich vollständig zu schliessen, doch es liegt noch ein langer Weg vor uns.
Dennoch ist Freundlichkeit ein sehr wichtiger Bestandteil der australischen Kultur. Deshalb gilt es als höflich, sich beim Busfahrer oder bei der Busfahrerin für die Fahrt zu bedanken.
Auch die Trinkgeldkultur unterscheidet sich von derjenigen in vielen anderen Ländern. Es gilt als unhöflich, Trinkgeld zu geben, da dies als herabwürdigend empfunden wird. In einigen Restaurants und Geschäften kann man jedoch einen kleinen Geldbetrag für einen guten Zweck spenden.
Ausserdem waren alle Aussies, die ich kennengelernt habe, sehr hilfsbereit. Ob beim Fragen nach dem Weg oder bei einem Gespräch im Naturreservat darüber, auf welchem Baum sich die Koalas versteckten. Manchmal ist es allerdings nicht ganz einfach, den australischen Akzent zu verstehen, da die Australierinnen und Australier dazu neigen, viele ihrer Wörter abzukürzen. Ich habe bereits einige der wichtigsten Wörter gelernt und freue mich darauf, noch viele weitere zu lernen.