Campus living

Eigene Perspektiven entwickeln

Isabell Wohlgenannt (24) startete im Herbst 2015 ihr Doktoratsstudium mit Vertiefung in Information and Process Management. Sie erforscht den Einsatz von Videospielen im Personalmanagement. Im Interview erzählt die gebürtige Vorarlbergerin über ihren Werdegang an der Universität Liechtenstein – vom Bachelor bis zur Promotion.


Wie bist du ursprünglich auf das Studium in Liechtenstein gekommen?
Ich bin schon immer gern ins kalte Wasser gesprungen. Etwas komplett Neues kennenzulernen und auszuprobieren war auch meine Motivation für den Bachelor in Wirtschaftsinformatik. Ich hatte so gut wie kein Vorwissen für dieses Studium, weder im Bereich Wirtschaft noch in Informatik. Trotzdem war da dieses Bauchgefühl, das mir den Mut gab, mich auf diese thematische «Blackbox» einzulassen. Nachdem ich den Infotag der Universität besucht hatte, war ich davon überzeugt, dass dieser Weg der richtige sein wird.

Nach deinem Bachelorabschluss hast du direkt den Master angeschlossen. Warum bist du in Liechtenstein geblieben?
Ich komme aus Vorarlberg, wo es keine Universität gibt. Deshalb sind viele meiner Freunde für ihr Studium weggezogen. Natürlich habe ich auch daran gedacht in eine grössere Stadt zu ziehen. Doch die Gründe, weshalb ich mich für das Bachelorstudium in Liechtenstein entschieden habe, waren auch ausschlaggebend für meine Wahl bezüglich des Masterstudiums. Von Beginn an war ich von der persönlichen Atmosphäre auf dem Campus begeistert. Teil dieser Gemeinschaft zu sein, hat mich während meines gesamten Studiums sehr unterstützt; besonders deswegen, weil das erste Jahr nie einfach ist– ich musste erstmal lernen, was «studieren» überhaupt bedeutet.

Aus dem engen Umfeld der Universität heraus habe ich dann auch meinen Nebenjob bei INNOFORCE in Balzers gefunden. Parallel zu meinem Bachelor- und Masterstudium habe ich dort erst im Marketing und später an der Schnittstelle zwischen Informatik und Management gearbeitet. So habe ich neben der Theorie auch direkt die Praxis kennengelernt. Das hat wiederum dabei geholfen, eine Idee für die Zukunft zu entwickeln.

Und wie sieht die aus?
Während des letzten Semesters sprachen mich zwei meiner Dozierenden an und erzählten mir von einem potentiellen Thema für meine Masterarbeit: wie Kompetenzen von zukünftigen Mitarbeitern mit Hilfe von Videospielen analysiert werden können. Sie wussten von meiner Leidenschaft für Videospiele und dachten deshalb, dass mich dieses Gebiet interessieren könnte. Schliesslich bekam ich die Möglichkeit bei einer experimentellen Studie auf dem Campus mitzuarbeiten und die Ergebnisse konnte ich für meine Abschlussarbeit nutzen.

Gegen Ende meines Masterstudiums wollte ich ursprünglich das, was ich die letzten Jahre gelernt hatte, endlich in der Praxis anwenden. Das Thema hat mich aber letztendlich so sehr begeistert, dass ich es weiterhin im Rahmen meines Doktoratsstudiums untersuchen werde. Das Forschungsfeld ist noch sehr jung– also mal wieder ein Sprung ins kalte Wasser.


Also mittlerweile eine Vollblut-Akademikerin…?
Ob ich in der Forschung bleibe oder später doch bei einem Unternehmen arbeite, kann ich derzeit nicht genau sagen. Momentan geniesse ich es jedenfalls sehr, mir meine Themen frei aussuchen und meine Zeit selbst einteilen zu können. Vielleicht sieht das in drei Jahren anders aus. Ich lasse mich einfach von den Erfahrungen aus der Zeit im Doktorat leiten. Letzten Endes will ich beruflich etwas machen, das mich begeistert. Die Universität hat ein weitreichendes Netzwerk mit kompetenten Köpfen aus Wissenschaft und Wirtschaft – das gibt Sicherheit und Zuversicht für die Zukunft.