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Zur Rekonstruktion zirkulärer Bausysteme. Das Prinzip segmentierter Bohlenbinder nach Philibert de L’Orme.

Project Description

Das petit bois-Prinzip, das Prinzip segmentierter Bohlenbinder, von Philibert de l’Orme formuliert bereits im 16. Jahrhundert konstruktive Strategien, die zentrale Anforderungen des zirkulären Bauens vorwegnehmen: Einfachheit, Solidität, Fehlerfreundlichkeit, Reparaturfähigkeit, Reversibilität und Wiederverwendbarkeit. Die aus seriellen Bohlenlagen gefügten, stützenfreien Dachtragwerke ermöglichen den Einsatz kurzer (Rest-) Hölzer und erlauben dank ihrer gesteckten Konstruktion die schadfreie Demontage und vollständige Wiederverwendung der Bauteile andernorts. Im Kontext gegenwärtiger Bestrebungen im Bausektor zur CO2- und weiterer Schadstoffreduktion, Ressourcenschonung und Etablierung geschlossener Materialkreisläufe gewinnt diese frühneuzeitliche Bauweise neue Aktualität, zugleich wird ein virulentes Forschungsdesiderat in der Historischen Bauforschung geschlossen.
Nur wenige Beispiele des Delormschen petit bois-Prinzips haben sich erhalten – darunter die Caserne Rochambeau in Mont Dauphin, das Château de Bonnemare in Radepont, das Château Le Parc Vieil in Champignelles, der Lavoir in Druyes les Belles Fontaines, der Dachstuhl im Musée des arts et métiers sowie die École Militaire, beide in Paris.
Diese bisher nicht systematisch aufgenommenen und dokumentierten Fallbeispiele werden im Rahmen des Forschungsprojekts erstmals kohärent erschlossen und vergleichend untersucht (Modul 1: Bauuntersuchung). Parallel dazu wird die Genese des zukunftsweisenden petit bois-Prinzips und dessen konstruktive Umsetzung, Variantenbildung, Patentierung und Weiterentwicklung in Theorie, Lehre und Praxis von der Frühen Neuzeit bis und mit Industrialisierung und Moderne untersucht (Modul 2: Entwicklungsgeschichte).
Ziel dieses dualen, interdisziplinären Forschungszugangs über Bauaufnahmen und wissenschaftshistorische Analysen zur Etablierung, Tradierung, Transformation und Adaptierung des Konstruktionsprinzips ist eine typologisch und bautechnisch fundierte Systematisierung reversibler Dachtragwerke, die als Grundlage für ein offenes Wissenssystem zirkulärer Konstruktionsprinzipien in Forschung, Lehre und gegenwärtiger sowie zukünftiger Planung hinsichtlich einer gelingenden Bauwende dienen soll.