Landschaft inszenieren - eine grenzüberschreitende Architekturausstellung im Freiraum des Alpenrheintal

zurück zur Übersicht

Projektart und Laufzeit

FFF-Förderprojekt, Januar 2021 bis Oktober 2022

Koordinator

Architektur

Forschungsschwerpunkt

Nachhaltiges Planen und Bauen

Beschreibung

Die innere Verdichtung setzt die öffentlichen Freiräume zunehmend unter Druck. In den letzten Jahren hat sich ein Paradigmenwechsel vollzogen, wie Siedlungen entwickelt werden sollen: Sie sollen nach innen und von der Landschaft ausgehend gedacht werden (Brandl & Fausch, 2016; Brandl, Fausch & Moser, 2018). Dem romantisierten Bild der arkadischen Landschaft steht die Realität von Autobahnen, die mono-kultivierte Ackerflächen in einer zersiedelten Fläche durchschneiden, gegenüber. Es zeigt sich: Landschaf-ten müssen besser inszeniert werden, um qualitätsvolle Rückzugsräume für die wachsende Bevölkerung zu schaffen. Denn "Landschaften sind sta?ndigen Vera?nderungen unterworfen. Es ist deshalb wichtig, dass ihre Qualita?ten in die Planung einbezogen werden, und zwar sowohl in la?ndlichen als auch in urbanen Ra?umen" (Raumkonzept Schweiz 2012, S.44).
Grossformatige Architekturausstellungen im Freiraum inszenierten Landschaft bis anhin. So gestaltete etwa die Internationale Bauausstellung IBA See im Fürst Pückler Land zwischen 2000 bis 2010 diverse Land-schaftsparks, das Europäische Kulturhauptstadtjahr Ruhrgebiet 2010 transformierte die Zeche Zollverein zum Kulturzentrum, die Schweizer Landesausstellung Expo.02 exponierte Architekturen im und am Neu-enburger- und Murtensee und die regionale2010 transformierte den Kölner Rheinboulevard. Dabei fun-gieren die Ausstellungen als heterotope Orte, an denen in einem fixen Zeitraum und zu laborartigen Zu-ständen Architekturen geschaffen und Prozesse initiiert werden, die über den Ausstellungszeitraum hin-aus wirken und weiterverfolgt werden sollen (Durth, 2010). Es ist festzustellen, dass grossformatige Archi-tekturausstellungen zunehmend auch nachhaltige und regionalplanerische Ziele umsetzen (Kaps, 2018; Pachaly, 2008).
"Culture led regeneration" wurde vor allem im städtischen Kontext untersucht (Bailey, Miles & Stark, 2004; Bianchi, 1999; García, 2005). Im regionalen Kontext gibt es noch wenige Beispiele, die wissenschaft-lich aufbereitet wurden. Denn laut Heinrichs (2003, S.43) seien die "Städte der Nukleus der Kulturarbeit" Europas. Am Beispiel des Alpenrheintals soll diese Annahme hinterfragt und widerlegt werden. Laut ers-tem Kreativwirtschaftsbericht Liechtensteins (Staub, Jochum Gasser, Kaps & Martinez, 2014) zählen 19.6% aller Arbeitsstätten in Liechtenstein zur Kreativwirtschaft. Das ist im Vergleich zu Metropolitanräumen sehr hoch und zeigt, dass Kultur das Potenzial hätte, als Motor in Liechtenstein und im Alpenrheintal genutzt zu werden.
Dieses Forschungsprojekt möchte untersuchen, wie ein gezieltes Inszenieren von Landschaft mittels gross-formatiger Architekturausstellungen Raumentwicklungsprozesse mithilfe von Kultur und aus den Freiräu-men heraus initiieren kann. Anhand eines dualen Zugangs - einerseits mittels einer historischen Studie und andererseits durch Fallstudienanalysen von grossformatigen Raum- und Architekturausstellungen im öffentlichen Freiraum und unter Einbindung des Entwurfsstudios - werden Planungswerkzeuge identifi-ziert, die derartige Ausstellungen als Inkubatoren raumplanerischer Entwicklungen von der Landschaft ausgehend nutzen. Ziel des Projekts ist es, ein Konzeptpapier für eine grenzüberschreitende Ausstellung im öffentlichen Freiraum des Alpenrheintals zu erarbeiten.

Liechtensteinbezug

Weiche Standortfaktoren gewinnen zunehmend an Wichtigkeit bei der Entwicklung und beim Heraus-arbeiten eines unverwechselbaren Profils von Städten und Regionen (Häusermann & Siebel, 1993, S.13). Das Alpenrheintal ist ein trinationaler Siedlungs- und Landschaftsraum, für den bereits zahlrei-che Raumkonzepte entwickelt wurden. Das Raumkonzept Liechtenstein 2020 strebt an, "seine Kultur-landschaft als wichtigen Standortfaktor" zu nutzen, zu schützen und zu stärken und "die überörtliche Zusammenarbeit mit den Gemeinden und Nachbarregionen" zu intensivieren (vgl. auch Raumkonzept Schweiz, 2012, S.38-39). Laut erstem Kreativwirtschaftsbericht Liechtensteins (Staub et al., 2014) zäh-len 19.6% aller Arbeitsstätten in Liechtenstein zur Kreativwirtschaft. Das ist im Vergleich zu Metropoli-tanräumen sehr hoch und zeigt, dass Kultur das Potenzial hat, als Motor in Liechtenstein und im Al-penrheintal genutzt zu werden. Das Konzept für eine grenzüberschreitende grossformatige Architek-turausstellung im Freiraum soll das Alpenrheintal physisch und narrativ zusammenführen, es als kultu-rellen Standort schärfen und als solches lokal und regional vermitteln.

Schlagworte

Strategie, Architekturvermittlung, Theorie der Architektur

Projektleiterin