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Wie ein Start-up Millionen von Kunden überzeugt

An der Universität Liechtenstein hat sich ein Team gefunden, auf das heute Millionen von Internetnutzer hören – indirekt. Ihr Start-up Reachbird nutzt die Macht der Meinungsführer. Das Besondere daran ist eine clevere Datenanalyse, sagt Mitgründer Stefan Debortoli.

von Yvonne von Hunnius

 

Für welches Problem will Reachbird konkret eine Lösung bieten?

Stefan Debortoli: Studien zeigen, dass nur 30 Prozent der Bevölkerung Vertrauen in Werbung haben. Jedoch 90 Prozent vertrauen auf Empfehlungen von Meinungsführern. Reachbird identifiziert für Firmen oder Werbeagenturen die geeigneten Meinungsführer auf Social Media Kanälen, wie z.B. Instagram, YouTube, Snapchat, Facebook oder Twitter. Diese Personen werden dann für eine Werbekampagne zusammengebracht. Im Nachgang werten wir den Erfolg der Kampagne quantitativ und qualitativ aus.

Eine einleuchtende Strategie – wo ist hier der besondere Kniff?

Unsere Technologie erlaubt es uns, den thematisch am besten passenden Meinungsführer für eine Werbebotschaft zu identifizieren. Unser Ansatz basiert auf einer automatischen Analyse von Millionen von Textdaten, die laufend in den diversen sozialen Netzwerken gesammelt werden.

Welche Daten sind das?

Dabei handelt es sich insbesondere um Bildunterschriften und Kommentare in Bezug auf Beiträge in den sozialen Medien. Wir extrahieren dabei die behandelten Themen auf einer sehr fein granularen Ebene. Somit können wir für unsere Meinungsführer ein detailliertes Themenprofil erstellen – und zwar ohne, dass vordefinierte Kategorien ausgewählt werden müssen oder jemand die Texte durchlesen und den Meinungsführer manuell klassifizieren muss. Zudem ermöglicht uns dieselbe Technologie am Ende eine automatisierte qualitative Analyse der Kampagne. Dabei können wir Fragen beantworten wie „Über welche Themen handelten Kommentare?“ oder „Wie war der Stimmung der Kommentare?“ Und genau diese innovativen technologischen Ansätze heben uns stark von der Konkurrenz ab.

Welche Investitionen waren hierfür am Anfang nötig?

Fünf 180 mal 80 Zentimeter grosse Schreibtische, jeweils ein Monitor und Laptop, sowie jeweils ein Smartphone. Und natürlich eine Kaffeemaschine! Das reichte aus, um unser Startup initial zu betreiben. Wir hatten als digitales Start-up eigentlich nur immaterielle Anfangsinvestitionen.  


Ein massiver Unterschied beispielsweise zu einem Maschinenbauunternehmen, das aufwändige Prototypen produzieren muss...

Ja! Digitale Unternehmen können mit deutlich weniger Kapital starten. Je nach Zusammensetzung des Teams reichen Büro und Laptop, um ein Produkt zu bauen, das im Markt getestet werden kann. Somit können auf der einen Seite initiale Kosten und Risiken für das Unternehmen drastisch minimiert werden. Auf der anderen Seite kann jedoch der Markt bereits die ganze Welt sein, ohne, dass man sich auf spezielle Regionen beschränken muss.


Wie zeigt sich das an Ihrem Wachstum beziehungsweise Ihren Erfolgen?

Seit Sommer 2015 beschäftigt sich Reachbird mit dem Thema Influencer Marketing und hat schon mehrere Dutzend Kampagnen, unter anderem mit Coca Cola, Jochen Schweizer oder Lindt, abgewickelt. Mit den Meinungsführern auf unserer Plattform können bereits über 350 Millionen Menschen auf diversen sozialen Netzwerken erreicht werden.

Sind dafür nicht auch persönliche Kontakte entscheidend?

Es hilft natürlich, wenn Unternehmer, die schon oft gegründet haben – sogenannte Serial Entrepreneurs – zur Seite stehen. Wir wurden initial vom Vorarlberger Speedstartstudio in Dornbirn unterstützt – somit sind das in unserem Fall Michael Breidenbrücker und Christoph Böckle, die uns beratend zur Seite stehen. Sie ermöglichen uns auch Zugang zu ihrem Netzwerk mit potentiellen Investoren oder Kunden.


Dabei basiert die Reachbird-Idee auf sehr spezialisierten Kompetenzen – ist das tatsächlich im Rheintal zu finden?

Uns als Gruppe hat das gemeinsame Studium an der Universität Liechtenstein zusammengeführt. Mit der strategischen Ausrichtung der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität auf die Bereiche Wirtschaftsinformatik, Entrepreneurship und Finance war die Hochschule eine ideale Plattform, um Experten aus diesen Bereichen zusammenzubringen.


Inwieweit ist der Standort jetzt noch wichtig für Reachbird?

Für das digitale Produkt hat der räumliche Standort des Unternehmens eine eher geringe Bedeutung. Wir müssen uns stattdessen daran orientieren, von wo wir neue Talente für uns gewinnen können. Und hier spielt durchaus die Universität Liechtenstein eine grosse Rolle.

 

Zur Person:
Stefan Debortoli ist Alumni des Hilti Lehrstuhls für Business Process Management der Universität Liechtenstein und hat sein Promotionsstudium im Bereich Wirtschaftsinformatik im Herbst 2015 abgeschlossen. Ebenso die drei weiteren Mitglieder des Management-Teams, Philipp Martin, Julian Freese und Benedikt Ess, stammen von der Universität Liechtenstein und haben ihr Studium im Studiengang Entrepreneurship abgeschlossen, oder sind gerade dabei. Das Unternehmen Reachbird hat seinen Sitz im Kokon in Ruggell und eine Zweigstelle in München.


*Der Text ist zuerst in der Wochenzeitung Wirtschaft regional erschienen.