A Meta-analysis of studies on tax havens

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Projektart und Laufzeit

FFF-Förderprojekt, Juli 2018 bis Juni 2020 (abgeschlossen)

Koordinator

Lehrstuhl für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre, Internationales und Liechtensteinisches Steuerrecht

Forschungsschwerpunkt

Wealth Management

Forschungsgebiet/e

Steuerkooperation

Beschreibung

Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Globalisierung sowie der damit einhergehenden Zunahme des internationalen Steuerwettbewerbs zwischen verschiedenen Wirtschafts- und Steuerstandorten werden die Themen aggressive Steuerplanung und Steuerflucht in Verbindung mit bestimmten Steuerjurisdiktionen, welche als vermeintliche Steueroasen identifiziert werden, weltweit durch zahlreiche Studien, Untersuchungen und Listen zu Steueroasen, die von Nationalstaaten, Regierungsorganisationen (OECD, EU), Nichtregierungsorganisationen (Oxfam, Tax Justice Network) sowie von der steuerwissenschaftlichen Forschung veröffentlicht werden, zunehmend und sehr politisch in den Fokus gestellt. Die Studien, Untersuchungen und Listen zu Steueroasen verwenden dabei sehr unterschiedliche Identifikationskriterien und Untersuchungsansätze zur Klassifikation von Steuerjurisdiktionen als vermeintliche Steueroase.
Das Fehlen global akzeptierter, einheitlicher Identifikationskriterien und die Verwendung unterschiedlicher Untersuchungsansätze, aber auch die weiterhin umfassend vorherrschende Bezugnahme auf sehr veraltete Studien und Listen zu Steueroasen führen sowohl in den Steuerwissenschaften als auch in der politischen Anwendung zu erheblichen Interpretations- und Auslegungsproblemen auf denen wiederum zahlreiche Sanktionsmassnahmen gegen vermeintlich als Steueroase identifizierte Jurisdiktionen beruhen. Die im Rahmen des Forschungsprojekts erörterten Identifikationskriterien umfassen insbesondere die Bereiche Steuertransparenz, nationales und internationales Steuerrecht, Steuerregime, Steuergerechtigkeit, Aggressivität in Doppelbesteuerungsabkommen, Steuerbelastung sowie Niedrig- oder Nichtbesteuerung. Die Mehrheit der analysierten steuerwissenschaftlichen Literatur kreiert keine eigenen Identifikationskriterien und Steueroasenlisten, sondern verweist auf bereits existierende Kriterien und teilweise vollkommen veraltete Studien und Listen, was in einer gesondert durchgeführten Zitations- und Verweisdominanzanalyse verdeutlicht und aufgezeigt wird.
Die den Studien und Listen zugrundeliegenden Untersuchungsansätze lassen sich grundsätzlich in fünfverschiedene Kategorien unterteilen: Rein qualitativ, modifiziert qualitativ (Kombination aus qualitativen und quantitativen Komponenten), investitionsstrombasiert, rein datenbasiert und sonstige. Die imRahmen des Forschungsprojektes ebenfalls analysierten Steuermodelle verschiedener multinationaler Unternehmen und Konzerne zeigen auf, dass neuartige, rein datenbasierte Untersuchungsansätze amehesten zur Klassifikation von vermeintlich "neuen" Steueroasen geeignet sind. Ein Paradigmenwechsel von Studien und Listen, welche auf traditionellen Identifikationskriterien und
Steueroasenlisten basieren, hin zu Studien, welche eher stringente und datenbasierte Untersuchungsansätze verfolgen, ist somit notwendig, um sich mit dem Thema aggressive Steuerplanung und Steuerflucht in Verbindung mit Steueroasen sachgerecht auseinandersetzen zu können. Auch im Hinblick auf die Ver-öffentlichung der beiden Konsultationspapiere der OECD (Pillar 1 und Pillar 2) zur weltweiten Neustrukturierung der internationalen Unternehmensbesteuerung im Bereich der digitalen Wirtschaft (Pillar 1) sowie zur Einführung einer weltweiten Mindestbesteuerung (Pillar 2) werden die Themenbereiche aggressive Steuerplanung und Steuerflucht in Verbindung mit Steueroasen erneut eine signifikante Bedeutung erlangen, da insoweit insbesondere auf Impactanalysen abgestellt werden soll, wodurch ein einheitlicher Identifikationsstandard zur Klassifikation von Steueroasen unabdingbar wird.

Schlagworte

Steuern, Steuerwettbewerb