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Denkanstoss

Mut zu Scheitern

Veröffentlicht am: 16.11.2015
Unternehmer Claudio Minder (Joya Schuhe) über seine erste berufliche Niederlage.

Es passierte an einem sonnigen Sommertag im Jahr 2006: Nach einem negativen Gerichtsbeschluss wurde die registrierte Marke «MyMui» aus dem Schweizer Markenregister gelöscht und ein sofortiges Verkaufsverbot verhängt. Die Begründung war eine gewisse Verwechslungsgefahr mit einem Luxus-Label, das zu einem internationalen Modegiganten gehörte. Dies war das Ende meiner ersten Firma.

Mein Geschäftspartner und ich versuchten zu retten, was zu retten war. Über Nacht mussten wir über 25 Mitarbeiter entlassen, vier eigene Läden schliessen, unsere Verkaufspartner über den Liefer- und Verkaufsstopp informieren, und schliesslich unser Warenlager mit einem Wert von über einer Million Franken entsorgen.

Was wir in rund 5 Jahren mühsam aufgebaut hatten, zerbrach in wenigen Tagen. Bis dahin wurde mein Leben von dem Willen bestimmt «MyMui» zum Erfolg zu führen. Tag und Nacht hatte ich mein Herzblut und meine Energie investiert. Und plötzlich war alles vorbei. Die Angst vorm Scheitern hatte mich – wie jeden Jungunternehmer – beschäftigt. Vielmehr noch – sie hatte mich in meinen Entscheidungen und meinem Handlungsspielraum beeinträchtigt. Meine erste unternehmerische Niederlage geschah dennoch. Die sehr öffentliche, mediale Diskussion um unser Schicksal machte die Situation nicht einfacher.

Heute sind mir die Bedeutung der eigenen Grenzen, von Integrität und Bescheidenheit deutlicher.

In dieser anstrengenden Zeit stützten mich meine Familie, meine Freunde und mein Glaube. Ich setzte mich stark mit dem Lebens- und Leidensweg Jesu auseinander. Die Geschichte seiner Auferstehung lehrte mich, dass Scheitern auch der Anfang von etwas Neuem sein kann. Das gab mir Kraft und Zuversicht für meine unternehmerische Zukunft.

Kurz darauf wendete sich das Blatt. Karl Müller, Sohn des MBT-Abrollschuh Erfinders, kontaktierte mich mit einer spannenden Geschäftsidee: Gemeinsam eine neue Bequemschuh- Marke namens Joya Schuhe aufzubauen. Dank meiner Erfahrung und ausreichend Zeit zur Reflektion fühlte ich mich bereit für diese neue Herausforderung. Nun wusste ich, dass es einfach eine gewisse Portion Mut, Risikobereitschaft und Durchhaltevermögen braucht, um als Unternehmer zu bestehen.

Heute sind mir die Bedeutung der eigenen Grenzen, von Integrität und Bescheidenheit deutlicher. Ich habe gelernt, meine Mitarbeiter und Kunden stärker wertzuschätzen und bin dankbar für meine Lehrjahre. Und die haben sich wahrlich ausgezahlt. Joya Schuhe begeistern weltweit eine wachsende Zahl an Menschen mit ihrem einzigartigen Laufgefühl. Unsere Schuhe werden heute in 21 Ländern in über 1200 Verkaufsstellen vertrieben. Jährlich produzieren wir 250̕000 Schuhe und beschäftigen mittlerweile knapp 70 Mitarbeiter.

Ohne Frage, Fehlschläge sind schmerzhaft. Doch solche Erfahrungen übersteigen bei Weitem jedwede theoretische Ausbildung. Nur so erkannte ich, was für ein Unternehmer ich sein will. Haben Sie Mut – auch zum Scheitern!

In der Rubrik «Denkanstoss» äussern Autoren ihre persönliche Meinung. Diese spiegelt nicht zwingend die Auffassung der Redaktion des Wissensmagazins Denkraum oder der Universität Liechtenstein wider.

* Dieser Artikel erschien ursprünglich in der November 2015 Ausgabe des Wissensmagazin Denkraum.