Neuland: Expedition zu den Zwischenräumen Liechtensteins

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Projektart und Laufzeit

Oktober 2018 bis Januar 2021

Koordinator

Institut für Architektur und Raumentwicklung

Forschungsschwerpunkt

Nachhaltiges Planen und Bauen

Forschungsgebiet/e

Nachhaltige Raumentwicklung

Beschreibung

Wie viele europäische Regionen ist das Alpenrheintal durch eine heterogene Gemengelage aus Siedlungsbereichen, Verkehrsinfrastrukturen, siedlungsnahen Freiräumen, landwirtschaftlich genutzten Flächen und offenen Landschaftsstrukturen geprägt. Die Planungswissenschaft versucht dieses Phänomen der Urbanisierung durch unterschiedlichste Begriffe zu fassen: Agglomeration, urbane Landschaft, Stadtregion, Zwischenstadt, Sprawltown etc. Unabhängig von den Begrifflichkeiten lässt sich Folgendes festhalten:

a) Der ungeplante Urbanisierungsprozess geht seit Jahrzehnten vor allem zulasten der endlichen Ressource Boden. Deshalb ist, und das zeigt eine Vielzahl von wissenschaftlichen und praktischen Analysen, eine Siedlungsentwicklung nach innen anzustreben. Innenentwicklung meint dabei bisher vor allem die Aktivierung von Flächenpotentialen, die effektivere Nutzung, bauliche Verdichtung und funktionale Optimierung innerhalb bestehender Bauzonen.
b) Gleichzeitig setzt dieses Bestreben nach Innen offene, unbebaute Flächen innerhalb von Siedlungsgebieten unter Druck. Einerseits sind diese zunehmend stark beanspruchte soziale Räume des Alltags, der Begegnung, Erholung, aber auch Räume der Mobilität, Repräsentation und der Bewirtschaftung. Mit ihnen wird Lebens- und Standortattraktivität gleichermassen verbunden. Andererseits sind diese freien Räume zunehmend Zwischen- und Resträume, da die Verdichtung vor allem arealorientiert umgesetzt wird.
c) In der Raumplanung und der -wissenschaft setzt sich zunehmend die Perspektive durch, Siedlungsentwicklung nach Innen von der Landschaft aus zu denken. Dabei wird Landschaft sowohl als ein Prozess, ein dynamisches Gefüge menschgemachter Räume als auch als Wahrnehmens- und Erlebensqualität verstanden. Landschaft bedarf also gleichermassen einer rationalen und planerischen Herangehensweise als auch eines wahrnehmungsorientierten Zugangs.

Sowohl für ein konzeptionell-planerisches Denken der Siedlungsentwicklung von der Landschaft aus als auch für eine wahrnehmungsorientierte Perspektive, aber vor allem für eine Verbindung beider Perspektiven besteht Forschungsbedarf. Hier setzt das Forschungsprojekt an. Untersuchungsperimeter ist das Fürstentum Liechtenstein. Innerhalb des Alpenrheintals gelegen, und damit in den vitalen Grenzraum Liechtensteins, der Schweiz, Deutschlands und Österreichs eingebettet, vereint es die oben beschriebenen Herausforderungen par excellence.

Untersuchungsgegenstand dieses Projekts sind die unbebauten, öffentlich zugänglichen Zwischenräume innerhalb der urbanen Landschaft Liechtenstein. Das Forschungsprojekt beleuchtet diese auf zwei unterschiedlichen Ebenen: Als (1) Gebrauchslandschaften werden die Zwischenräume aus der Perspektive der Wahrnehmung und Nutzung untersucht. Als (2) Konzeptlandschaften werden sie aus der rationalen Perspektive des Planens, Systematisierens und Steuerns betrachtet. Ausgangspunkt ist die Feststellung, dass es an einer ästhetischen Aufmerksamkeit für diese Räume in Wissenschaft, Planungspolitik und -praxis fehlt. Die drei sich daraus ableitenden zentralen Forschungsfragen lauten:

(1) Welche Typen alltäglich genutzter Zwischenräume gibt es in Liechtenstein?
(2) Wie werden die Zwischenräume Liechtensteins von verschiedenen Akteuren aus Lebenswelt, Wirtschaft, Landwirtschaft, Planungspolitik, Naturschutz etc. wahrgenommen und genutzt?
(3) Wie lässt sich die wahrnehmungsorientierte Perspektive der alltäglichen Gebrauchslandschaften in institutionalisierte Abläufe der Konzeptlandschaften einbringen?

Schlagworte

Raumplanung, Landschaft, Freiraum, Wahrnehmung, Stakeholderanalyse, Beteiligung und Mitwirkung

Förderer

  • LLV Amt für Bau und Infrastruktur
  • Amt für Umwelt