Alpine Gebrauchslandschaft Rätikon

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Projektart und Laufzeit

FFF-Förderprojekt, Januar 2021 bis Dezember 2021

Koordinator

Architektur

Forschungsschwerpunkt

Nachhaltiges Planen und Bauen

Beschreibung

Liechtenstein wird meist vom Rheintal aus erforscht und beplant (Verein Agglomeration Werdenberg-Liechtenstein 2016; Universität Liechtenstein 2019; Broggi 2011). Dies hängt vor allem mit der dynamischen Entwicklung im Alpen-rheintal und den vielfältigen Verflechtungen der Liechtensteiner Gemeinden mit dem benachbarten Ausland zusam-men. Während Mario Broggi im Liechtensteiner Alpenrheintal von eine "Monegassierung" und einem Stadtstaat Liech-tenstein spricht (Broggi 2011, S. 103), ist für die Liechtensteiner Identität jedoch ein anderer Ausschnitt der Landschaft konstitutiv (Merki und Frommelt 2018): Der Rätikon, ein Gebirgskamm der sich auch auf österreichisches und schwei-zerisches Staatsgebiet erstreckt.
Denkt man diese trinationale Region Rätikon nicht von den Talsohlen, sondern vom Gebirgskamm aus, so vollziehen sich an allen Rändern des Rätikon unterschiedlichste Urbanisierungsprozesse. Der identitätsstiftende aber weitestge-hend vegetationslose Gebirgskamm, der im Zentrum dieser Region liegt, wird in der Arealstatistik wenig charmant als "unproduktive Fläche" ausgewiesen (Regierung des Fürstentum Liechtenstein 2008, S. 33). In der Forschung werden jene, wenig urbanisierten Gebiete auch als "stille Zonen" bezeichnet (ETH Studio Basel 2006). Trotz aller scheinbaren Unproduktivität sind die Anspruchsgruppen und -nutzungen vielfältig: Jäger, Touristen, Förster, Kraftwerke oder der Alpenverein beanspruchen das Gebiet für sich. Erfindungen wie das E-Bike bringen ungekannte Massen von Menschen in die Höhen. Solche Innovationen verdeutlichen die zusehends stärkere Verflechtung von unproduktivem Zentrum und urbanisiertem Grenzraum und bringen neue Arten des Gebrauchs in diese wenig berührte, offene Landschaft.
Seit dem Jahr 2017 gibt es die Drei-Länder-Initiative "Naturpark Rätikon", welche die Region um diesen Gebirgszug (inklusive der gesamten Landesfläche Liechtensteins) zu einer Modellregion für nachhaltige Entwicklung machen möchte. Naturpärke zeichnen sich generell durch hohe Natur- und Landschaftswerte, eine einzigartige Kulturland-schaft und identifikationsstiftenden Landschafts- und Ortsbilder aus (Schweizerischer Bundesrat 2018). Im Rahmen der nachhaltigen Raumentwicklung sollen diese Werte geschützt, gestärkt und weiterentwickelt werden. Die Schaffung eines Naturparks hat unter anderem zum Ziel, die Qualität von Natur und Landschaft sowie die Biodiversität zu erhalten und zu verbessern, lokale Ressourcen nachhaltig zu nutzen oder den Charakter des Orts- und Landschaftsbildes zu wahren und zu stärken. Während die Machbarkeitsstudie für den zukünftigen Naturpark Rätikon zum Schluss kommt, dass die planerischen Instrumente zur Sicherung dieser Ziele in Liechtenstein vorhanden sind (Internationaler Natur-park Rätikon 2019c), ist die Frage, welche Arten des Gebrauchs und welche Nutzungsansprüche von unterschiedlichs-ten Akteuren an diese Landschaft gestellt werden, noch unbeantwortet. Hier setzt das vorliegende Forschungsprojekt an, um mit der Beantwortung dieser Frage ein Fundament für einen vertiefenden Forschungsantrag über die alpine Gebrauchslandschaft Rätikon zu entwickeln.