Corporate Governance in modernen Organisationsformen

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Projektart und Laufzeit

FFF-Förderprojekt, November 2018 bis August 2020 (abgeschlossen)

Koordinator

Lehrstuhl für Gesellschafts-, Stiftungs- und Trustrecht

Forschungsschwerpunkt

Wealth Management

Forschungsgebiet/e

Unternehmung

Beschreibung

Im Rahmen des Forschungsprojektes "Corporate Governance in modernen Organisationsformen" wurde untersucht, inwieweit sich bestehende gesellschaftsrechtliche Normen mit einer modernen Organisationsform, wie z.B. der Holokratie, vereinbaren lassen. Die jüngsten Entwicklungen zeigen in Unternehmen eine verstärk-te Innovationskraft und ebenso den Drang nach einer horizontalen Machtverteilung. Gerade im Bereich der Start-up-Szene werden vermehrt neue moderne Organisationsmodelle geschaffen und eingesetzt. Eine besonders fortschrittliche und moderne Organisationsform ist die sog. Holokratie (holocracy). Sie durchbricht klassische hierarchische Strukturen und Funktionen, um dadurch eine fortlaufende Weiterentwicklung der Unternehmung sicherzustellen. Wesensmerkmal einer holokratisch geführten Organisation ist, dass jedem Mitarbeiter in seinem Aufgabenbereich völlige Weisungsungebundenheit zukommt, sodass diese Organisati-onsform entgegen einer streng hierarchisch organisierten Unternehmensführung entgegensteht. Hierbei wird die Macht im Unternehmen auf sog. Rollen und Kreise, welche ihre Aufgabe weisungsungebunden und fernab jeglicher Kontrolle durchführen verteilt. Die Organisation entwickelt sich in Governance Meetings wie ein frei agierender Organismus weiter. Das Spannungsverhältnis zwischen völliger Weisungsungebundenheit und die für die Führung und Haftung der Gesellschaft erforderlichen Kompetenzen und Verantwortlichkeiten ist evi-dent. Vor diesem Hintergrund wurde die Vereinbarkeit der Holokratie sowohl mit der liechtensteinischen Aktiengesellschaft als auch der LVC untersucht. Im Zuge der Forschungsarbeiten wurde die Erkenntnis gewon-nen, dass dem Verwaltungsrat der monistisch geprägten liechtensteinischen Aktiengesellschaft - selbst wenn dies nicht ausdrücklich im Gesetz vorgesehen ist - ein sog. undelegierbarer und unübertragbarer Aufgaben-bereich zukommt. Dies steht einer gänzlichen Umsetzung der Holokratie entgegen. Demgegenüber hat die Untersuchung ebenso gezeigt, dass eine Annäherung in Liechtenstein durchaus möglich ist.
Darüber hinaus wurde im Rahmen des Forschungsprojekts die im Jahre 2017 vom liechtensteinischen Gesetzgeber eingeführte LVC und deren Vereinbarkeit mit der Holokratie untersucht. Die LVC stellt eine kleine Genossenschaft dar und wurde vom Gesetzgeber mit der Intention geschaffen, Gründern eine neue, kostengüns-tige Gesellschaftsform zur Verfügung zu stellen, damit Innovation und Gründergeist im Land gefördert werden.
Die LVC zeichnet sich durch ihre liberale Ausgestaltungsmöglichkeit aus, sodass sie sich zur Umsetzung der Holokratie besonders anbietet. Zusammenfassend wurde durch die Forschungsarbeit die Erkenntnis gewon-nen, dass der Gesetzgeber ein Mindestmass an Kompetenzen und Aufgaben bei den einzelnen Organen belässt. Dem Vorstand und der Genossenschaftsversammlung kommen unübertragbare und unentziehbare Kernaufgaben zu.

Projektergebnisse:

Wirkungen in Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft

Das vorliegende Forschungsprojekt hat sich erstmalig mit der LVC wissenschaftlich auseinandergesetzt und leistet insbesondere für Rechtsanwender und Gründer somit einen wesentlichen Beitrag.
Ein weiterer Schwerpunkt des Forschungsprojektes lag im Bereich der Foundation Governance anlässlich der zehnjährigen Stiftungsrechtsreform. Die Untersuchungen haben gezeigt, dass insbesondere im Bereich der Willensbildung von Stiftungsorganen weiterhin Forschungspotenzial vorhanden ist. Die gewonnenen Erkennt-nisse zeigen, dass die allgemeinen Vorschriften des Personen- und Gesellschaftsrechts, welche die liechtensteinische Aktiengesellschaft als Vorbild hatten, sich nicht in allen Detailfragen auf liechtensteinische Stiftun-gen übertragen lassen.
Durch die vielen dispositiven Normen im Personen- und Gesellschaftsrecht kann eine starke Annäherung an die betriebswirtschaftlichen Organisationsm

Liechtensteinbezug

Corporate Governance in modernen Organisationsformen Moderne Organisationsformen für Start-Ups erfreuen sich in Liechtenstein mittlerweile grösster Beliebtheit. Dies zeigt auch eine neue Rechtsform, die im Jahre 2017 vom liechtensteinischen Gesetzgeber eingeführte wurde. Die Liechtenstein Venture Cooperative wird auf ihre Vereinbarkeit mit der Holokratie untersucht. Die LVC stellt eine kleine Genossenschaft dar und wurde vom Gesetzgeber mit der Intention geschaffen, Gründern eine neue, kostengünstige Gesellschaftsform zur Verfügung zu stellen, damit Innovation und Gründergeist im Land gefördert werden. Ebenso wird die Einführung der Holokratie für die liechtensteinische Aktiengesellschaft untersucht. Das Forschungsprojekt liefert insofern wichtige Erkenntnisse für den Gründerstandort Liechtenstein.

Schlagworte

Gesellschaftsrecht, Stiftungsrecht, Corporate Governance

Förderer

  • Forschungsförderungsfonds der Universität Liechtenstein

Publikationen

  • Lettenbichler, M. (2020). Holokratie im Liechtensteinischen Gesellschaftsrecht. Spektrum des Wirtschaftsrechts, 65-72.

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  • Butterstein, A., Jörg, M., & Lettenbichler, M. (2020). Holokratie im liechtensteinischen Genossenschaftswesen unter besonderer Berücksichtigung der Liechtenstein Venture Cooperative. Spektrum des Wirtschaftsrechts, 333-342.

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  • Schurr, F. (2019). Zur Willensbildung von Organen innerhalb der liechtensteinischen Stiftung. Die Privatstiftung (PSR)(3), 139-146.

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  • Lettenbichler, M. (2020, March 4). Holokratie im Liechtensteinischen Gesellschaftsrecht. Forschungsaustausch des Instituts für Wirtschaftsrecht, Balzers, Liechtenstein.

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  • Butterstein, A. (2018, May 30). Corporate Governance-Rechtsvergleich von Deutschland, Österreich und Liechtenstein. Wirksame Führung und Aufsicht von Unternehmen und Stiftungen in Liechtenstein, Universität Liechtenstein, Vaduz.

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